BAWAG wird 2010 mit Gewinn abschließen
Donnerstag, 02. Dezember 2010 um 16:00 Uhr
Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, 02. Dezember 2010 um 16:04 Uhr
Utl.: Haynes: 2011 wird schwierigeres Jahr - BAWAG-Post-Kooperation voll auf Schiene =
Wien (APA) - Die BAWAG P.S.K. werde das Jahr 2010 mit "mehr als 100 Millionen Gewinn" abschließen, kündigte BAWAG-Chef Byron Haynes Mittwochabend vor Journalisten an. Damit werde die Bank erstmals seit vier Jahren und erstmals seit der Übernahme durch den US-Fonds Cerberus Gewinne schreiben. Im ersten Halbjahr hatte die Bank - wie bereits berichtet - einen Konzernüberschuss von 96,8 Mio. Euro eingefahren. Einen konkreten Ausblick für 2011 gab der Bank-Chef nicht, zeigte sich aber zurückhaltend: "Das Jahr 2011 wird schwieriger als das Jahr 2010 werden", ist der Banker mit schottischen Wurzeln überzeugt.
Zwar rechnet Haynes nicht mit einem "Double Dip", also einem neuerlichen Abtauchen in die Rezession. Die Volatilität und Unsicherheit im Wirtschaftsleben werde aber zunehmen. Die Probleme der hoch verschuldeten Staaten in Europa wie Irland, Portugal, Spanien und Griechenland seien noch lange nicht gelöst. Das schwierige makroökonomische Umfeld werde auch auf die Banken Auswirkungen haben. Zweifel an der Zukunft der europäischen Gemeinschaftswährung Euro hat er aber trotzdem nicht: "Der Euro ist hier, um zu bleiben".
Die BAWAG selber habe nur sehr wenig Exposure bei derartigen Staaten: Die Exposure an griechischen Staatsanleihen habe die Bank von 100 auf jetzt unter 40 Millionen reduziert, in Spanien seien weniger als 15 Millionen Euro ausständig. "Wir haben kein Portugal-, Irland- und Großbritannien-Exposure", betonte der BAWAG-Chef. Völlig offen sei noch die mögliche "Ansteckungsgefahr" durch die Schuldenkrise. "Wir brauchen mehr Vertrauen, um die Investitionen anzukurbeln", wünscht sich Haynes. Die Nachfrage nach Krediten sei 2010 um 4 Prozent gestiegen. Lob findet der Banker für die Rolle der EZB und der Zentralbanken: Diese hätten schon sehr viel gegen die Krise unternommen.
Im Jahr 2011 kommen einige Belastungen auf die Bank zu, erläuterte BAWAG-Vizechef Stephan Koren. Die Bankenabgabe werde die BAWAG 30 Millionen Euro kosten. "Das ist ein bedeutender Beitrag für eine Bank unserer Größe", meinte der Banker, der auch Präsident des Bankenverbands ist. Insgesamt sollen durch die Bankenabgabe 500 Millionen ins Budget fließen. "Ich mag die Bankenabgabe nicht, aber ich akzeptiere sie", ergänzte Haynes. Die BAWAG werde die Belastung so weit wie möglich selber tragen.
55 Millionen Euro werde die Bank für die Zinsen für das staatliche PS-Kapital aufbringen müssen. Auch durch die geplante Kapitalertragssteuer auf Wertpapiere werde es kostenintensive Umrüstungen und Umstellungen in der EDV geben. Insgesamt erwarten die BAWAG-Chefs rund 100 Millionen zusätzliche Kosten, die nächstes Jahr auf die Bank zukommen. Durch Basel III kommen neue Eigenkapitalvorschriften. "Man darf die Finanzmärkte nicht überfordern", warnte Koren.
Die BAWAG sei gut kapitalisiert, betonte Haynes. Angesprochen auf die Rückzahlung des staatlichen PS-Kapitals in Höhe von 550 Mio. Euro sagte Haynes, er werde eine vorzeitige Rückzahlung der Kapitalspritze nicht erzwingen. Die Bank werde das Kapital nur dann vorzeitig zurückzahlen, wenn es finanziell Sinn mache.
Die BAWAG-Post-Kooperation sei "voll auf Schiene", schilderten die Vorstände: Zwei Filialen "neuen Typs" mit integriertem Postservice werden in Wien und in Innsbruck noch vor Weihnachten in Betrieb genommen. Die offizielle Eröffnung der ersten vier Filialen erfolgt dann im Jänner.
Die Zahl der Mitarbeiter soll weiter sinken, derzeit hat die Bank 3.800 Beschäftigte. Der Personalstand hat sich im Lauf des Jahres 2010 um 100 Mitarbeiter verringert. Das Programm "Bolero" werde fortgesetzt, es gebe auch einen Sozialplan, betonte Haynes. Der Wettbewerbsdruck im Bankensektor werde weiter steigen, die Margen sinken.
Viel Lob findet der Banker für den Mehrheitseigentümer Cerberus: "Das ist ein guter Aktionär", sagte Haynes. Der US-Finanzinvestor wolle eine profitable Bank und habe seit der Übernahme 2007 "keinen einzigen Euro" aus der Bank genommen. Der Zeitpunkt für einen Verkauf durch den Eigentümer hat sich durch die Krise offenbar hinausgeschoben. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten mache ein Verkauf keinen Sinn, sagte Haynes.
Auch beim geplanten Verkauf der BAWAG-Beteiligungen sieht Haynes keine Eile. Bei der ungarischen MKB-Bank, an der die BAWAG 10 Prozent hält, gebe es "keinen Druck zum Verkauf". An der Kapitalerhöhung durch den Haupteigentümer BayernLB habe die BAWAG mit einem Betrag von unter 20 Millionen Euro voll mitgezogen. Beim Verkauf der Schuhhandelskette Stiefelkönig werde es "vermutlich Ende Jänner" eine Mitteilung über den Verkauf bzw. die Trennung von den damit zugehörenden Marken geben.