Variantenmodell in Der Krise

Vor wenigen Tagen hat das Unternehmen begonnen in der Zustellung das neue Modell der Variantenverschneidung umzusetzen. Heute können wir sagen, es hat in weiten Teilen des Landes nicht funktioniert. Wir haben uns daher direkt an den zuständigen Postvorstand gewandt.

Sehr geehrter Herr Vorstandsdirektor, sehr geehrter Herr DI Umundum!
Sehr geehrter Herr Geschäftsfeldleiter, sehr geehrter Herr Reif!

Die Österreichische Post AG hat am Montag, dem 5. Juli 2021 begonnen das Variantenmodell in der Brief- und Verbundzustellung umzusetzen, dies trotz des Umstandes, dass in weiten Teilen des Bundesgebietes erhebliche Probleme, vor allem personeller Art, zu erwarten waren.

Nicht nur, dass die Rayone teilweise erheblich vergrößert wurden, sollen die vielen Urlaubsersatzkräfte eingeschult werden und ihnen zur Entlastung überdies auch noch Arbeiten abgenommen werden. Zusätzlich sind täglich erhebliche Mitbesorgungen zu bewältigen. In diesem Zusammenhang verwehren wir uns im Rahmen der betrieblichen Fürsorgepflicht gegen jegliche Mehrbelastung von Mitarbeiter*innen, die mehr als plus 150 Korridorstunden aufweisen.

Bereits nach wenigen Tagen war ein Anstieg der Krankenstandstage sowie ein Abwandern von Urlaubsersatzkräften die Folge. Heute finden wir daher völlig überlastete und verärgerte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor, deren Korridorstunden zudem sprunghaft ansteigen.

Die Gründe dafür liegen in erster Linie an der teils oberflächlichen und mangelhaften Vorbereitung seitens der Führungskräfte, einer vielerorts verfehlten Personalplanung sowie zum Teil vollkommen falscher Sendungsprognosen. In einigen Verteilzentren wurden sogar Sonderschichten gefahren, die zu zusätzlichen Erschwernissen in der Zustellung geführt haben. Belastet wird die Situation zudem durch die immer noch hohen Paketmengen, durch teilweise falsche Systemstandsberechnungen sowie Verschneidungen und der unkoordinierten Vorgehensweise von Vertrieb und Betrieb.

Alle diesbezüglichen Bedenken der Personalvertretung zum Variantenmodell wurden im Vorfeld in Abrede gestellt und die Verhandlungen mit der Arbeitnehmer*innen-Vertretung seitens des Managements einseitig beendet.

Nach heutigen Erkenntnissen kann zusammenfassend gesagt werden, dass die für eine erfolgreiche Umsetzung des Variantenmodells erforderlichen Rahmenbedingungen mehrheitlich nicht eingehalten wurden und wir uns daher heute mit erheblichen betrieblichen Problemen konfrontiert sehen.

Wir fordern,

  • eine aktuelle faktenbasierende und transparente Evaluierung der Lage und die sofortige Einleitung entsprechender und nachhaltig wirkender Maßnahmen in Absprache mit den Personalausschüssen

  • ein Aussetzen der Umsetzungsschritte des Variantenmodells in jenen Fällen in denen,

    • die Paketmengen bzw. Sendungsmengen über einem bestimmten %-Wert der prognostizierten Mengen bzw. im Bereich der 0-Variante liegen
    • die täglichen bzw. wöchentlichen Höchstarbeitszeiten überschritten werden
    • Personalunterstände vorliegen, Arbeitsplätze nicht besetzt sind bzw. Mitarbeiter*innen kündigen
    • zeitgleich Systemisierungen umgesetzt werden
    • andere zusätzliche Pilotversuche gleichzeitig durchgeführt werden
    • Zustellbasen umgebaut werden oder die vorhandenen Betriebsmittel unzureichend sind

Anderenfalls wird die Arbeitnehmer*innen-Vertretung der Bediensteten der Österreichischen Post AG

  • die gesamte Bandbreite des Postbetriebsverfassungsgesetzes anwenden
  • sowohl den Österreichischen Gewerkschaftsbund, die Arbeiterkammern mit ihren Rechtsabteilungen und die Verwaltungsbehörden in Bezug auf die Einhaltung der Arbeitszeiten miteinbeziehen
  • sich öffentlich vom Variantenmodell distanzieren und alle Missstände aufzeigen und über Tages- und Regionalmedien begleiten

Mit freundlichen Grüßen

Martin Palensky, dzt. Vorsitzender des Zentralausschusses
Romanus Fennes, Vorsitzender des Personalausschusses für Wien, NÖ und Burgenland
Markus Sammer, Vorsitzender des Personalausschusses Oberösterreich
Andreas Rindler, Vorsitzender des Personalausschusses Steiermark
Ulrike Ernstbrunner, Vorsitzende des Personalausschusses Tirol/Vorarlberg
Karl Egyed, Vorsitzender des Personalausschusses Salzburg
Ewald Kollnitz, Personalausschuss Kärnten
Franz Mähr, Personalausschuss Tirol/Vorarlberg

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